Querpass Ausgabe 7 2017

Für SG-Gründungsmitglied SV Gerolstein endete dieses Jahr eine Ära.

Georg Linnerth gab den Posten des Vereinsvorsitzenden ab. Hans-Peter Böffgen übernimmt seither die Führung des SV. Georg Linnerth war aber nicht nur beim SV aktiv, sondern ist auch ehemaliger Verbandsgemeindebürgermeister. Eine Doppelrolle in Politik und Sport auf höchster Ebene also! Beziehungsweise, jetzt nicht die allerhöchste Ebene, aber schon oben … oberes Mittelfeld … na, auf jeden Fall nicht ganz unten. Aber genau das zeigt zumindest, dass Georg Linnerth stets ein integrer Politiker war. Denn wie man am überschaubaren sportlichen Erfolg der Fußballer sehen kann, ist ihm unmöglich vorzuwerfen, er hätte sein politisches Amt genutzt, um den SV voranzubringen.

Er hätte es z.B. auch so machen können wie Henry George Norris, gleichzeitig englischer Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender von Arsenal London. Norris sorgte unter nebulösen Umständen dafür, dass Arsenal 1919 in die höchste Spielklasse berufen wurde, obwohl in der letzten regulären Saison vor dem 1. Weltkrieg gleich vier Teams sportlich besser gewesen waren. Ob sein politischer Einfluss eine Rolle spielte oder einfach Erpressung, bleibt offen. 

Affärenprofi Gerhard Mayer-Vorfelder vereinte jahrelang Ministerposten in Baden-Württemberg mit dem Vorsitz beim VfB Stuttgart. Steuer-Skandälchen hier und da waren kein Problem, Rücktrittsforderungen wurden einfach ignoriert. Ein Schelm, wer glaubt, beim VfB wäre unter seiner Führung nicht alles lupenrein gelaufen.

Silvio Berlusconi war zeitgleich Ministerpräsident Italiens und Präsident des AC Mailand. Aber wahrscheinlich half bei der Sammlung der 8 Meistertitel unter seiner Ägide sein Medienimperium den Fußballern mehr, als sein politischer Einfluss. Trotzdem kamen die Italiener auf die Idee, dass ganz eventuell ein Interessenskonflikt entstehen könnte, wenn der Staatschef einen der Topclubs führt. Sie brachten daher ganz schnell, nach nur vier Jahren Doppelamt von Berlusconi, ein neues Gesetz auf den Weg, sodass Silvio 2004 den Verein in andere Hände übergeben musste. Wahrscheinlich hätte er bei dem ganzen Bunga-Bunga eh keine Zeit mehr gehabt, sich um den AC zu kümmern.  

Faire Sportsmänner waren zu ihrer Zeit besonders die Kollegen hinter dem Eisernen Vorhang. Natürlich reiner Zufall, dass ausgerechnet der von Stasi-Chef Mielke geführt Verein Dynamo Berlin Rekordmeister der DDR ist. Spezialität: Geheimtraining und Spielerbeobachtung.

Der Präsident von Burundi Pierre Nkurunziza ist nebenher Vorsitzender des von ihm selbst gegründeten Fußballvereins FC Halleluya. Klingt wie ein Karnevals-Gesang im Müngersdorfer, ist aber eine ernstzunehmende Truppe, die so gut wie nie verliert. Der 55jährige Präsident spielt übrigens noch selber im Sturm; Stammplatz versteht sich. Wenn man sich seine präsidialen Skills so anschaut, wäre statt Rente für unseren Schorsch vielleicht auch noch eine Karriere im aktiven Sport drin. Wir wünschen viel Erfolg auf den weiteren Wegen!