Querpass Ausgabe 5 2017

Zahlen üben ja eine unglaubliche Faszination auf Fußballer aus.

Das betrifft nicht nur die potentiellen China-Millionen auf dem Konto, erst recht nicht die Tabellensituation, letztere besonders dann nicht, wenn in der ersten Kategorie die Summe stimmt. Nein, der moderne Fußballer von Welt liebt besonders seine Rückennummer. Eigentlich seltsam, dass sich solch ausgeprägte Individualisten auf eine Zahl reduzieren lassen, wie ein Rind in einer Jungbullenschau. Stattdessen lassen sich auch die kleinsten schon selbstbewusst „XY7“ auf die knallbunten Schuhe sticken und der frischgebackene Bambini-Spieler fordert selbstverständlich noch vor dem ersten Turnier die 10 für sich ein.

Einige Spieler haben ihre Nummer tatsächlich zum Erkennungsmerkmal erhoben. Man denke an Johan Cruyff mit der 14 oder Diego Maradona mit der 10. Als Zeichen des Respekts hat man in der niederländischen Nationalelf daher beschlossen, die 14 nie mehr zu vergeben, genau wie es Neapel als Maradonas Verein mit der 10 handhabt. Kurz dachte auch der Vorstand des SV Gerolstein darüber nach, „den Zehner“ auf diese Weise zu ehren. Doch nachdem sich alle eine halbe Stunde vor Lachen beeumelt hatten, ging es zur Tagesordnung über.

Nicht selten kommt es wegen dieser Nummern-Fixierung zu Streit in der Mannschaft. Bei West Ham United verließ der Portugiese Paulo Futre einst wütend die Umkleide, als er nicht die 10 auf seinem Trikot sah. 100.000 Pfund Strafe später schoben sie sein geliebtes Nümmerchen rüber.

Unkomplizierter war da Derek Riordan von Hibernians: Weil die 10 schon vergeben war, trug er als Feldspieler die 01.

Ebenfalls kreativ in der Lösungsfindung war der Chilene Ivan Zamorano bei Inter Mailand. Weil der Brasilianer Ronaldo bereits seine 9 trug, wählte er die 18, ergänzt um ein Pluszeichen. Weniger gut in Mathe ist (überraschend) Maik Franz. Der wollte die 6, die war aber nicht frei, also wählte er 33, denn (Zitat): „3 mal 3 macht 6.“ Hoffentlich hat er seine Gehälter nie selbst ausgehandelt.

Vor anderen Problemen stand Gigi Buffon in Parma. Er wollte die 88, war sich aber nicht bewusst, dass diese ein verbreiteter Faschisten-Code ist. Er stieg auf die 77 um. Aber man kann es drehen und wenden wie man will: 88 bleibt 88.

Manche Spieler haben persönlichere Bezüge zu ihrer Nummer. Ronaldinho wählte beim AC Milan sein Geburtsjahr 80, Aberdeens Hicham Zerouali trug die Null, da sein Spitzname Zero lautet. „Null“ scheint auch in der Kreisliga ein verbreiteter Spitzname zu sein, speziell bei Schiedsrichtern, wenn man den Zuschauerrufen Glauben schenken darf.

Neuerdings werden Rückennummern auch schamlos für Werbung nicht nur in eigener Sache genutzt. Harmlos noch, das der Finne Lehkosuo seine Trikotnummer zu 96.2 ergänzte, um einen lokalen Radiosender zu promoten.

Die Brasilianer von Fluminense de Feira aber tragen neuerdings die günstigen Preise des örtlichen Supermarktes auf dem Rücken.

Da böte sich doch auch für die Kooperation von SG Kylltall und Edeka etwas an. Die persönliche Bindung des Werbeträgers zum Produkt animiert ja erst richtig zum Kauf! Man stelle sich die Werbewirkung vor, wenn Sebastian Weber auf dem Rücken „Bitburger 20x0,33 nur 9,99“ trüge. Oder Christoph Schmitz zeigt sich mit „Schwarzkopf Tönung nur 2,99“. Absehen sollte man aus Gründen der Glaubwürdigkeit nur von „Durex Kondome 4,99“ auf dem Shirt von Thorsten Benz. Denn der hat noch nie was verhütet.

Der Querpass