Das Jahr 2019 ist vorbei und die 1. Mannschaft der SG grüßt während der gesamten Winterpause von der Tabellenspitze! Zwar hat der HSV letzte Saison beeindruckend bewiesen, dass Herbstmeister nicht immer aufsteigen, doch man kann ja schon einmal vorsichtig nach vorne schauen, wo es im kommenden Jahr hingeht.
Doch egal, ob es am Ende für den Aufstieg reicht oder nicht: Es wird immer noch in der Kreisliga gespielt. Das klingt nicht so schön, zu provinziell, kein Sex-Appeal und ist auch nicht mehr zeitgemäß. Denn der Trend geht ganz klar zum “High Label” (ja, das haben wir gerade erfunden). Es gibt ja auch keine Autos der “unteren Mittelklasse” mehr, denn unten ist nicht schön und unten will niemand sein. Deswegen heißt es inzwischen “Kompaktklasse”.
So ist es auch beim Fußball: Nach der 1. Liga kommt die 2. Liga, aber der Zweite ist bekanntlich der erste Verlierer. Deswegen lassen sich findige Fußballverbände fluchs flexibel verwendbare Fachbegriffe einfallen, mit denen Ligen optimistischer beschrieben werden können. Das macht alle glücklich und vermarktet sich besser.
Am besten, man verkauft den Liga-Namen an einen Sponsor, so wie zum Beispiel in Portugal. Dort spielen die Besten in der “Liga NOS”, die zweithöchste Spielklasse ist die Liga Pro und wer 3. Liga spielt ist immer noch im “Campeonato de Portugal”. So dürfen sich alle landesweite Top-Profis nennen.
Andernorts geht die Tendenz bei der höchsten Liga zum Superlativ. “Ekstraklasa” in Polen, “Eliteserien” in Norwegen, die “Süper Lig” in der Türkei, Eredivisie in den Niederlanden oder Super League in der Schweiz.
So bleiben weiter Super-Namen für die unteren Ligen. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt: Der “Süper Lig” folgt die “1. Lig”, der Eredivisie folgt die 1. Divisie. Sehr clever stellen es die Schweden an, die sich den Superlativ für die 2. Liga aufsparen: Nach Allsvenskan kommt Superettan.
Vorbildlich sind die Schweizer unterwegs. Nach Super League kommt Challenge League, frei nach dem Motto: Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen. So kann die 3. Liga als “Promotion League” laufen und wer in der vierthöchsten Klasse spielt, ist immer noch in der “1. Liga”. Top!
Aber der DFB und die deutschen Landesverbände sind bekanntlich etwas langsamer: 2. Bundesliga, 3. Liga, Regionalliga – alles deprimierend. Wir plädieren daher für Umbenennung: Beginnend mit der “Hyper-Liga”, weiter mit der “Super-Liga”, so wird “Bundesliga” für die 3. Liga frei. “Regional” ist im Trend, könnte also bleiben, aber noch angesagter ist “Bio”. Darum also “Bio-Liga" statt “Regionalliga” - Greta gefällt das.
“Oberliga” lassen wir, denn oben ist ja gut. “Rheinlandliga” darf auch bleiben, denn Rheinland ist ein dehnbarer Begriff, wusste schon Napoleon. “Bezirksliga” ist wiederum zu ländlich, Bezirk ist zu klein, alle wollen aber groß sein. Daher “Meisterliga”, einer wird ja immer Meister.
Dann wird’s schwierig, wir wollen schließlich raus aus der Kreisliga. “1. Division” klingt ein bisschen zu militärisch. Obwohl “Staffelleiter der 1. Division” schon ein knackiger Titel für Bundeswehrmann Fritz Skambraks wäre. Ein paar Abzeichen dazu, die “Silberne Pfeife am Band” oder den “Goldenen Ball mit Eichenlaub” und fertig ist die Autoritätsperson.
Wir fangend stattdessen unten an mit “1. Amateurklasse”, aus der man in die Amateur-Oberklasse aufsteigt. So starten alle mindestens in der 1. Liga und es kann nur besser werden.
Für die beiden höchsten Kreisligen klauen wir zur Abwechslung in Polen und votieren für “Extraklasse” statt Kreisliga A. So wird A-Klasse frei für die aktuelle B-Klasse und die SG hätte Ihr Saisonziel “A-Klasse erreichen” jetzt schon abgehakt. Soll noch einer sagen Herbstmeister steigen nicht immer auf.

Autor: Simon Thijs