Nun ist diese seltsame Fußballsaison in Deutschland tatsächlich offiziell vorbei. Als der Spielbetrieb eingestellt wurde, lag die SG Kylltal mit beiden Herren-Mannschaften auf dem Aufstiegsplatz und der Optimismus war groß. Doch man sollte ja das Fell des Bären nicht zu früh verkaufen. Den Fehler hat Pascal Arens einmal gemacht: Das Ergebnis war eine Pläte.

Letztlich heißt es aber Aufstieg für beide Mannschaften, auch wenn die Freude etwas verhalten ausfallen musste. Denn während Corona aufsteigen ist ein wenig wie ein Porno: Beim Happy End sind schon keine Zuschauer mehr da.

Der Fußballverband Rheinland hatte entschieden, die Abschlusstabellen nach der Quotienten-Regel zu bestimmen, also die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der Spiele zu teilen, um auch bei ungleich vielen absolvierten Partien ein faires Bild zu erzeugen. In den Spielklassen der SG gab es solche Komplikationen nicht, andernorts sah es wilder aus.

In Schleswig Holstein freuten sich zunächst die 2. und 3. Mannschaft des SV Hamberge, beide in der Kreisklasse B Stormarn am Start, als es hieß, es wird nach Quotient entschieden.
Die Zweite lag dort nämlich an der Tabellenspitze, hatte neun Spiele absolviert. Weil die Motivation, Wochenends überhaupt anzutreten, im Kreis Stormarn aber anscheinend ungefähr so hoch ist, wie die von Hertha BSC, ein auch nur annähernd professionelles Bild abzugeben, hatte die Dritte der Hamberger zum Zeitpunkt des Abbruchs ganze vier Saisonspiele absolviert. Die waren aber alle gewonnen worden – Zack: Erster! Zum Leidwesen des SVH aber hatte die Quotientenregel allerdings den Zusatz, es musste mindestens die Hälfte der Begegnungen gespielt sein. So wurde es dann doch nur ein einfacher Aufstieg in Hamberge.        

Doppelt geklappt hat es dafür beim VfB Stuttgart. Vor einem Jahr noch waren 1. und 2. Mannschaft abgestiegen, in diesem Jahr korrigierten beide den Betriebsunfall. Nach einem Absturz so schnell wieder hoch kommt sonst nur Lucas Wuttgen im Sechzehner.

Gezittert hat der VfB aber schon noch ein wenig, was vor allem mit Arminia Bielefeld zu tun hatte, die souverän den ersten Platz in der 2. Bundesliga belegten. Eine 2. Mannschaft haben sie seit einiger Zeit nicht mehr beim DSC, sonst hätten sie vielleicht das Kunststück von 2004 wiederholen können, als Amateure und Profis am Saisonende gemeinsam feiern durften. Aber der Ostwestfale geht ja ohnehin selten aus sich raus. Da fällt jede Party ungefähr so ausgelassen aus, wie eine Meisterfeier beim FC Bayern.

Die wurde das letzte Mal zumindest teilweise euphorisch begangen, als 2016 die Frauen - wie die männlichen Pendants Deutscher Meister - geworden, mit auf den Rathaus-Balkon durften.

Schon 2015 hatten beide gleichzeitig den Titel geholt. Das blieb nicht die einzige Parallele: Bei beiden Mannschaften reckte Lewandowski die Schale in die Luft. Robert bei den Herren, Gina bei den Damen. Die mit dem polnischen Torjäger nicht verwandte Amerikanerin hatte 2012 übrigens für einen der meist-geklickten Artikel im Netz gesorgt, als getitelt wurde „Bayern holen Lewandowski“, zwei Jahre bevor der Namensvetter den BVB tatsächlich Richtung München verließ.

2005 hätte die Schlagzeile „Gladbach holt Thijs“ im Kylltal fast für vergleichbares Aufsehen gesorgt, wenn es damals dort schon Internet gegeben hätte. So blieb die Verwechslungsgefahr zwischen Nationalspieler Bernd Thijs und dem höchstens an der Theke internationales Niveau beweisenden Kylltaler Simon eher überschaubar.

Der FCB ist mit dem achten Titel in Folge jetzt auch „Geister-Meister“. Das zweite Jahr in Folge belegen nun U23 und Profis des Rekordmeisters den jeweils ersten Platz in ihrer Liga. Da kann man den Münchenern wie der SG Kylltal nur gratulieren, oder wie Kalle Rummenigge sagen würde: „Ich ziehe meinen Hut und sage: Champs Elysée!“