„Es darf nicht nur bis zum Ortsschild gedacht werden.“

Interview mit Lissingens Vorsitzenden Jan Thömmes

Im zweiten Teil der Interview-Reihe mit den Vorsitzenden der SG-Vereine hat Liga-Zwei.de-Redakteur Simon Thijs mit Jan Thömmes vom SV Lissingen gesprochen. Das jüngste Mitglied der SG-Familie bringt zwar keine Spieler, aber jede Menge Engagement mit.

Der SV Lissingen ist das neueste Mitglied der SG Kylltal. Wie bist du bzw wie ist der SV Lissingen bis jetzt aufgenommen worden?

Wir sind sehr gut aufgenommen worden. Der Beitritt war nicht ganz einfach, weil wir keine Senioren-Spieler mitgebracht haben. So wurde nur der Verein an sich mit seinem Vorstand integriert.

Aber die ersten Sitzungen, die wir jetzt mitgemacht haben, waren durchweg positiv. Es macht Spaß, auch wenn die ein oder andere Diskussion durch die Größe der Gruppe etwas kompliziert ist.

Wir wollten uns aber einbringen und weiter für Fußball in Lissingen einsetzen. Daher sind wir froh, dass wir das in der SG können.

Ohne die SG, wo wäre dein Verein dann jetzt?

Ohne die SG hätten wir bis auf die kleine Frauen-Turngruppe kein aktives Geschehen mehr gehabt. Da wäre es schwierig geworden, den Verein aufrecht zu erhalten trotz vieler Mitglieder und Förderer im Dorf. Wir hätten die Situation sicherlich ein oder zwei  Jahre überbrücken können, um  abzuwarten, ob sich eine andere Konstellation ergibt. Die SG Kylltal war unsere absolute Wunschlösung und das hat geklappt.

Wie bringt Ihr Euch konkret in die SG ein und wo profitiert Ihr am meisten von der SG?

Einmal bringen wir Personal ein, d.h. unseren Vorstand, der sein Know-How und Engagement mitbringt und helfen will, eine starke Gemeinschaft zu bilden. Geschäftsführer Wolfgang Köhler und ich als Vorsitzender sind in den SG-Sitzungen dabei.

Außerdem bringen wir unseren Hartplatz ein, der im Winter immer gefragt ist. Noch sind uns keine Spiele fest zugesprochen, doch wir wissen, wenn der Winter kommt, ist der Platz höher im Kurs. Wir hoffen also, das ein oder andere Heimspiel nach Lissingen zu bekommen. Als Trainingslatz wird Lissingen sowieso gebraucht werden.

Auch eine Schiedsrichterin bringen wir ein, wodurch die SG da breiter aufgestellt ist.

Unser Interesse ist, dass die SG gute Entscheidungen trifft, damit der Fußball und Spielbetrieb in unserer Region weiter bestehen und die Jugend gefördert wird.

Du hast die Förderer des SV im Dorf angesprochen. Wie wichtig ist es für die Gemeinde, dass der Sportverein weiter bestehen kann?

Ich finde Sport bereichert eine Dorfgemeinschaft. Wenn es Spielbetrieb im Ort gibt, ist das auch ein Treffpunkt. Bei uns war die Unterstützung durch Zuschauer immer ganz gut, viele Leute haben ihre Zeit gerne am Wochenende auf dem Sportplatz verbracht.

Ohne Spiele ist es natürlich ruhiger geworden, sodass viele sich schon fragen, ob wir zugemacht haben. Es muss darum jetzt nach und nach in der öffentlichen Wahrnehmung ankommen, dass wir in der SG sind. Wenn das ein oder andere Spiel stattfindet, unser Name und Logo auf der großen Tafel auftaucht, wird das zeitnah geschehen. Dann verstehen die Leute, dass es nicht vorbei ist, sondern sich nur ein Stück weit verändert hat. Das ist nun einmal die Zukunft im Kylltal. Es ist schwierig für Vereine im Kylltal, eigenständig zu sein. Derbys gibt es dann zwar nicht mehr, aber es ist wichtig für das Dorf, dass es überhaupt noch Aktivität gibt.

Einer der Kritikpunkte von außen ist, dass die Identität der einzelnen Vereine verloren geht. Wie siehst du das?

Das ist teilweise richtig. Wenn der Verein unter eigenem Logo mit eigener Mannschaft aufläuft, ist es selbstverständlich besser für die Identität, als wenn in einer SG der Ortsname nicht vorkommt. Es führt aber kein Weg an einem Umdenken vorbei. Es darf nicht nur bis zum Ortsschild gedacht werden. Bei den Jugendlichen ist es ja schon lange so, die kennen es gar nicht anders. Die haben einfach Interesse daran, Fußball zu spielen. Dadurch wächst dann eine neue Identität heran.

Was soll sich aus deiner Sicht in den nächsten drei Jahren für den SV Lissingen tun?

Wir wollen einen konkreten Beitrag leisten können. Gerne hätten wir wieder Spieler mit Pass beim SV Lissingen. Im Vordergrund steht aber die Festigung der Gemeinschaft. Rein geografisch gehören wir auf der Achse zum Kylltal dazu, jetzt wollen wir aktiv sein, damit alles weiter zusammenwächst und vorangeht. Das bedeutet, die Einzelinteressen der Vereine müssen ein Stück weit zurückgestellt werden. Das Gemeinschaftsgefühl muss stärker werden, so wird es auch leichter Entscheidungen zu treffen.

Wir hoffen daneben, einige unserer alten Spieler, die uns verlassen haben, aber sich Lissingen noch verbunden fühlen, dafür begeistern zu können. Wichtig wäre zum Beispiel den ein oder anderen für eine Trainer oder Betreuer-Funktion gewinnen zu können.

Bei den Ressourcen sieht es da nämlich nicht rosig aus. Ich selber war die letzten Jahre als Jugendtrainer aktiv, mache nur solange Pause, bis meine Kinder etwas älter sind. Ich hoffe, es werden sich perspektivisch noch einige aus unserer alten Mannschaft finden, die noch am Fußball hängen. Das ist unabhängig von der Trikotfarbe, sondern hängt nur von den Möglichkeiten ab, die wir vor Ort bieten. Die müssen eben attraktiv sein.  

Welche Ansätze gibt es noch, Personal zu mobilisieren?

Es müssen viele Gespräche führen, auf die Leute zugehen und begeistern. Dafür muss auch die SG begeistern, um ein Interesse bei den Leuten zu wecken. Wir rücken die Jugendarbeit stark in den Vordergrund, das muss nach außen sichtbar werden. So wird Arbeit in der SG attraktiv für jemanden, der sich eine Traineraufgabe vorstellen kann. Wir wollen Anreize dafür schaffen, dass Leute Trainerscheine machen. Denn mit gut ausgebildeten und motivierten Trainern steht und fällt das Ganze.    

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. So bekommt ein Trainer das Gefühl, dass er Vertrauen genießt, Unterstützung erfährt und zu einer Gemeinschaft gehört. Wir müssen für etwas stehen und Flagge zeigen.

Zum Abschluss: Wenn du eine Sache in der SG Kylltal sofort ändern könntest, was wäre das?

Ich würde eine Aufwandsentschädigung für die Jugendtrainer in der SG standardisieren. Ich bin zwar überzeugt, dass es bei den meisten nicht am Geld hängt, aber zum Beispiel mindestens Spritkosten sollten in gewisser Weise ausgeglichen werden. Dafür müssen wir eine Finanzierung schaffen, denn finanzielle Nachteile soll keiner haben, der für die SG eine Mannschaft betreut.

Das Traineramt im Jugendbereich muss attraktiver werden!