Dann würden hier die Lichter für den Fussball ausgehen.

Im nächsten Teil unserer Interview-Reihe hat sich Sportjournalist Simon Thijs mit Walter Weinand unterhalten.

Der Vorsitzende des kleinsten Vereins in der SG spricht im Interview über die Probleme im Nachwuchs, Unterstützung für die Jugendbetreuer, die Rolle des Vereins im Dorf und die Wünsche des SV für die zukünftige SG-Gestaltung.      

Die SG Kylltal in der Ursprungs-Form besteht jetzt seit 2013. Wenn du zurückblickst: Was hat sich seither verändert?

Zunächst mal sind ja noch ein paar Vereine dazugekommen, so sollte es mehr Spieler, mehr Jugendliche geben. Die SG-Sitzungen finde ich, läuft es wie schon am Anfang ganz gut. Sie sind gut besucht und alles wird vernünftig besprochen.

Kannst du nochmal kurz zusammenfassen, warum auch der SV Mürlenbach von Anfang an für die SG war?

Wir waren ja damals in der kleineren SG mit Densborn und Birresborn und hatten zwei Mannschaften. Gerolstein hätte zu diesem Zeitpunkt wohl nur noch eine Mannschaft stellen können und sind auf uns zugekommen. Für mich gab es da gar kein Zögern, je größer, desto besser, war meine Meinung.

Hat sich das nicht bestätigt?

Zu Beginn schon, jetzt haben sich die Zahlen ein wenig relativiert. Wir haben nur noch zwei statt drei Herren-Mannschaften, da einige weggezogen sind oder aufgehört beziehungsweise gewechselt sind. In der Jugend haben wir nicht mehr ganz so viele Kinder. Acht oder neun Jugendmannschaften sind eigentlich zu wenig. Aber das ist auch der heutigen Zeit geschuldet.

Wie meinst du das?

Es gibt einfach sehr viele Angebote neben dem Fußball für die Kinder. Mehr andere Sportarten kommen auf, es wird auch mehr verreist oder auf Tour gegangen, sodass für Fußball weniger Zeit herrscht. Außerdem stelle ich fest, dass Sport, der draußen betrieben wird, auch wenn es kalt ist, die Leute mehr abschreckt. Als es nur Fußball gab, war das kein Problem.

Wie müssen sich Fußballvereine deiner Meinung nach aufstellen, um dem entgegenzuwirken?

Das ist etwas, das wir jetzt in Angriff nehmen wollen: Es muss mehr Aktivitäten für die Kinder geben. Bisher lief das eher auf Initiative einzelner Mannschaften, wo Eltern oder Betreuer Ausflüge und Events organisiert haben. Das waren leider immer dieselben, wo sich Leute die Arbeit gemacht haben.

Das muss es aber für alle geben. Fritz Skambraks und Holger Bahr haben zum Beispiel für die Kleineren neulich ein Spiele-Event auf dem Sportplatz in Birresborn organisiert, mit einigem Drumherum an Kaffee, Kuchen usw. für Eltern und Großeltern. Solche Sachen wollen wir jetzt öfter anbieten und uns auch für die Größeren der C- bis A-Jugend etwas einfallen lassen.

Du meinst also, das sollte die SG zentral in die Hand nehmen?

Genau, früher gab es zum Beispiel öfter Fahrten ins Stadion nach Leverkusen, zwei- bis dreimal im Jahr mit einem ganzen Zug voll Kinder. Das sollten wir wieder in Angriff nehmen.

Dazu braucht man auch Helfer, besonders natürlich im Alltag, was die Betreuung der Mannschaften angeht. Wie findet man das Personal?    

Das ist schon problematisch. Ich spreche viele Leute an, die mit Fußball zu tun haben oder hatten, aber kaum jemand ist zu bewegen.

Gerade bei den jüngeren Jahrgängen müssen so oft noch Eltern die Betreuung übernehmen, weil sich niemand sonst bereit erklärt auch den zeitlichen Aufwand zu betreiben. Immerhin haben sich nun einige Leute zum Trainerlehrgang in Birresborn angemeldet.

Was kann die SG denn tun, um den Leuten diese Aufgaben schmackhafter zu machen?

Es macht keinen Sinn, mit Geld zu locken. Trotzdem sollten diese Leute eine gewisse Entschädigung bekommen. Da müssen wir Geld locker machen, um wenigstens mal Spritgeld zu zahlen.

Wie kann die SG den Jugend-Betreuern auch aktiv helfen?

Gerade bei der A- und B-Jugend ist das Fahren ein großes Problem. Eltern haben da kaum noch Interesse, ihre Kinder zu begleiten, sodass es zum Beispiel zu Auswärtsspielen oft nicht genug Plätz gibt. Hier müsste die SG einfach zentral Fahrer organisieren, womit wir auch wieder beim Spritgeld sind.   

Den Trainern wäre schon sehr geholfen, wenn sie sich darum keine Gedanken mehr machen müssten.

Zum SV Mürlenbach selbst: Wie wäre der Verein heute aufgestellt ohne die SG?

Dann würden hier die Lichter für den Fussball ausgehen. Wir sind dankbar, dass wir seit 2003 noch weitere sportliche Alternativen anbieten können, zur Zeit Nordic-Walking und Rückenschule sowie Herzsport.

Aber wir sind der kleinste Verein in der SG Kylltal, Mürlenbach hat die wenigsten Einwohner. Wir konnten schon früh im Fußball nichts mehr alleine stemmen. Daher sind wir ja schon mit Densborn zusammengegangen in einer SG, später mit Birresborn zusätzlich. Das hat super funktioniert, darum war es für mich keine Frage, ob ich die Unterschrift zur SG Kylltal leiste.

Eine Zukunft ist also ohne SG Kylltal für dich nicht denkbar?

Einen Schritt zurück kann es nicht geben. Manche kleinere Vereine machen es ja hier und da nochmal für ein Jahr alleine, weil sie von irgendwo ein paar Spieler bekommen. Im nächsten Jahr bricht dann wieder alles zusammen. Das wäre hier genauso.

Mir geht es darum, dass die Kinder, die es in Mürlenbach gibt, ordentlich Fußball spielen können.

Wenn es den SV Mürlenbach dann nicht mehr gäbe, was würde das für das Dorf bedeuten?

Wir helfen bei jedem Fest im Dorf mit. Diese Dinge kann ein Verein auch gar nicht mehr stemmen. Der Pfarrgemeinderat, der Musikverein oder auch der Eifelverein helfen alle mit. Das Geld aus der Kirmes zum Beispiel wird dann einfach auf alle aufgeteilt. Es bleibt nicht viel übrig, aber die Arbeit wird dafür auch verteilt.

Das Dorfleben würde also darunter leiden, gäbe es den SV nicht mehr?

Genau. Darum ist es für den SV Mürlenbach auch wichtig, dass es weiter Spielbetrieb in Mürlenbach gibt. Der Sportplatz und das Sportheim gehören schließlich der Gemeinde, auch wenn der SV alles bezahlt, was an Rasenpflege usw. anfällt. Strom und Wasser aber bezahlt die Gemeinde. Wenn es dann keine Spiele mehr gäbe, würde die Gemeinde das zumachen.

Natürlich will jeder Verein ein paar Spiele bei sich haben. Wir wollen da auch gar nicht viel. Mit dem einen Pokalspiel und drei Samstagen mit je zwei Jugendspielen wie wir es jetzt haben sind für uns völlig ausreichend.           

Dafür bekommen Trainer und Zuschauer bei uns eine top Versorgung. Es wird in Mürlenbach immer Verkauf angeboten, der Platz ist immer abgestreut, der Kaffee fertig. Der Trainer muss sich nur um seine Mannschaft kümmern.

Womit wir wieder bei der Unterstützung für Trainer wären...

Ja, da höre ich viele Klagen darüber, dass die Betreuer die Plätze noch abstreuen müssen und niemand sonst da ist. Solange diese Unterstützung noch nicht zentral geregelt ist, können die Trainer wenigstens in Mürlenbach sicher sein, dass sich um alles gekümmert wird.   

Zurück zum Dorf: Die Gemeinschaft der Vereine in Mürlenbach schon stark zu sein. Kann die SG da etwas lernen?

Ja, die Gemeinschaft der Vereine in Mürlenbach ist schon stark, es sind nur immer weniger Leute, also dasselbe Problem, wie beim Fußball. Ohne gegenseitige Hilfe geht es nicht. Einer alleine schafft gar nichts.